Ein- bis zweimal fliege ich in jedem Jahr
zu meinen Eltern auf die Insel Gomera.
Auf die sie vor langer Zeit geflüchtet sind,
wegen Mamas Knochen, Sonne und dem lauschig warmen Wind.

Mein Vater wäre gern im Ruhrgebiet geblieben,
doch Mutter machte kurzer Hand den Deckel drauf.
Gesetze werden schon ‘mal öfter neu geschrieben,
Gleichwohl nahm dieses Stück vom Schicksal seinen sinnerfüllten Lauf.

Doch wer wissen will, wen’s noch hier hin verschlägt,
und wer `ne bunte Mischung Menschheit gut verträgt,
der macht sich auf ins Königstal Valle Grand Rey.
Ich will’s erleben, fahre hin, und ihr seid mit dabey.

Ich sitz’ im Cafe Namera mit der allerbesten Torte.
Zur Kaffequalität, da gibt’s nur Lob, fehlen selbst mir die Worte.
Denn leider fühlt man sich, ihr wißt’s, in dieser Welt
nicht überall zu Haus, weil immer irgendetwas fehlt.

Ich lasse alles baumeln, nicht nur meine Seele,
und paß’ auf, dass ich meinen Auftrag nicht verfehle,
hinzuschauen, zuzuhören, was um mich herum sich zeigt,
bevor der allerletzte Urlaubstag sich dem Ende neigt.

Ein dickes Kind am Nachbartisch schlürft eine Brause,
zwischen veganer Pizza, Schrimps und Kaviar.
Ein ältrer Herr wär’ gern wieder zuhause,
er glaubt was er hier sieht, gibt’s nicht, doch es ist wahr.

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel,
in der sich jeder findet, der sich zu ihr zählt,
als hätte jemand aus Milliarden Menschen
ein Exemplar von jedem ausgewählt.

Denn auf Gomeras schönem Sunset Boulevard
zeigst du als Mensch dich gerne, wie normal du bist.
Und entsprechend trägt man auf dem Haupt sein Haar,
weil das Normalsein heut’ was ganz besondres ist.

Man sieht Dreadlocks, die bis zum Boden reichen,
naturgeöltes, manches blau und grün gesträhnt,
spärlich bestückte Schädel, wo Bewüchse weichen,
wollt’ das letzte gar nicht sagen, jetzt hab’ ich es erwähnt.

And’re rasie’n sich, zeigen oben stolze Glatze,
unten wächst dafür ein ziemlich langer Bart.
Ein andrer trägt `ne Baseballkappe, die ihm überhaupt nicht steht,
weil auf seinem Kopf zum eignen Elend nichts mehr weht.
( und bei mir geht’s auch schon langsam los )

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel …

Eine goldbehängte, bankgebräunte Dame,
reicht mitleidsvoll dem Kind mit Federschmuck im Haar
die Langustine, die als Zier am Tellerrand hing,
die der Junge selbst bei Sonnenaufgang fing.

Barfuss im Schurz und um den Hals `ne Muschelkette
stand der Junge staunend da, der um nichts bat.
Glaubt die Dame allen Ernstes - jede Wette -
dass sie’s mit einem Wilden hier zu tun hat ?

Dabei ist das Kind Enkel von Herrn Direktor,
dessen Sohn vor mehr als dreißig Jahren schon,
sich seinem eignen Paradies hat zugewandt,
weil er das in seines Vaters Welt nicht fand.

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel ...

Dann spuckt am Kai ein Traumschiff, wie ein Fisch den Laich,
schwer in Trance versetzte müde Menschen aus.
Sie schlurfen schwarmerprobt zum Markt, nur für `ne Stunde,
dann get’s zurück an Bord, Ahoi, zur nächsten Runde.

Zu Hause, wo sie wohnen schneit`s grad, dort ist Winter,
steh’n unter Palmen nun, wo neue Blumenkinder
Selbstgemachtes ihnen `was verkaufen,
vor denen sie vor Jahren weggelaufen.

Und sie stehen sich beäugend gegenüber,
lächelnd schüchtern, ganz nach eigner Lebensart.
Heut’ Abend kauft ein Hippie Wein und etwas Butter,
denn die von ihm etwas erwarb, war seine Mutter.

Denn dreißig Jahre Wildnis und auch Wohlstandsleben,
zieh’n an keinem Wesen ohne Spur vorbei.
Beide troll’n unerkannt in ihre Welt zurück,
finden hoffentlich wie alle, viel Frieden und viel Glück.

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel …

Einsame hacken in den Apfel viele Zeichen
und schicken diese in Sekunden | um die ganze Welt.
Diesem Fortschritt kann selbst hier niemand ausweichen,
und auch nicht dem nächsten Handy das grad bellt.

Ich glaub’ die zwei dahinten lesen echte Bücher,
mit so `nem Pappumschlag, dazwischen viel Papier.
Ich werd’ gefragt, als ich sie seh, nach Taschentüchern,
ich geb` sie gern, schon wird geschnäuzt, inbrünstig wie ein Tier
( direkt in mein Ohr )

Es wird die Zeit gelesen und auch totgeschlagen,
man setzt sich mit der Bild ins Bild, | ganz ohne Unbehagen,
will auch schon `mal neu beginnen, | und schließt einen Pakt,
will sich `ne Finca kaufen für des Lebens vierten Akt.

Aber dann will man als Nachbarn Palmen anstatt Menschen haben,
denn die netten, die am Tisch mit sitzen kann man ja nicht fragen.
Doch wenn ich ihre Unterhaltung unbelauscht so recht versteh’,
hätten die Graumelierten noch mal richtig Lust auf `ne WG.

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel …

Man erinnert sich der Menschheit früh’ster Tage,
an jedem Abend hier im ersten Dämmerlicht.
Trommler rufen in die junge Nacht noch vage,
von denen man sogar am Nordkap spricht.

Dann zieh’n am Strand auf, Neuzeitgaukler und –vaganten.
Im Publikum sitzt ein Beamter und sein Sohn.
Der sieht wie Jungs in seinem Alter Feuer fressen
und bekommt dabei vom Vater seinen Lohn.

Weil er heute super artig, lieb und still war,
ist sein Erzeuger grad’ wohl ziemlich locker drauf,
reicht ihm voller Vaterstolz ein saures Bonbon,
dann nimmt auch schon das Schauspiel seinen Lauf.

Gespanntes Warten auf den großen Coup der Sonne.
In der Hand `ne Flasche Bier, ein Schampus und ein Gin.
Philosophierend, lallend und man staunt auch schweigend,
harrt man aus mit tausend Augen auf der Hauptdarstellerin.

Diese zieht gelangweilt wie seit Jahrmillionen,
ungerührt die Bahn, bis sie halt untergeht.
Während ein Paar, weniger beseelt von dem Spektakel,
hitzig im Streit vertieft, schwankend nach Hause geht.

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel …

Glaubt mir, ich will hier niemanden veralbern,
auch mit erhob’nem Zeigefinger niemals dräun.
Die Welt ist kunterbunt und meinet halben,
auch ein Theaterstück, auf das ich mich auf’s Neue immer wieder freu’.

Wir sind unfreiwillig Stars, spielen tapfer uns’re Rollen,
ob wir’s gerne sind und tun oder nicht wollen.
Diese Wahrheit holt uns auf Gomera ein.
( Doch was wollt’ ich eigentlich sagen … ach ja )
Es gibt noch wunderschöne Orte, an denen dürfen wir einfach nur sein.

So verschwimmen auch für mich langsam die Grenzen,
Wollt nicht dazugehör’n, doch sitze mittendrin,
komm’ nach Haus’ von meiner Reise in den Kosmos,
von dem auch ich ein ganz besond’res Pflänzchen bin.

Und nächstes Jahr …. flieg’ ich wieder hin.

Die grosse Welt schrumpft hier zu einer kleinen Kugel …



Text, Musik, Instrumente, Arrangement, Gesang: Frank Breburda
Aufgenommen im Tonstudie Alte Mühle
Foto:
© Frank Breburda
© Frank Breburda







La Gomeras Sunset Boukevard
Die Welt schrumpft zu einer kleinen Kugel

Als Mini-Compactdisc, abspielbar auf allen CD-Playern,
oder im mp3-Format erhältlich.

1 Titel - Spielzeit 09:44





Titel als mp3: 1,-- €
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als Spende an meine balinesischen Freunde. Sie sind als Schul- und
Ausbildungsgeld ihrer Kinder bestimmt.
 
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Siehe auch: Impressum


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La Gomeras Sunset Boulevard
Die Welt schrumpft zu einer kleinen Kugel

Dieses ist, wenn auch kein Tatsachenbericht, so doch ein Tatsachenlied. Alles “in echt” gesehen, gehört, geschmeckt und gefühlt. La Gomera gehört mittlerweile zu meiner zweiten Heimat. Da meine Eltern vor mehr als 20 Jahren dorthin ausgewandert sind. Und wie es so sein sollte, bei wohlerzogenen Kindern, gehen sie ab und an ihre Eltern brav esuchen. Nun gut, die Anreise ist etwas beschwerlicher und länger, doch zu ungefähr 40 bis 50 Besuchen habe ich es in dieser Zeit sicherlich gebracht. Auf die sunny-sunny-side von Gomera, ins Valle Grand Rey, verschlägt es mich auch bei jeder Eltern- und Inselvisite. Nicht nur wegen des besten Kaffees des Eilands, den es nach meinem Geschmack in der “Dulceria Namera” gibt.
Das Geschehen dort und drumherum inspirierte mich zu dieser nicht immer
ganz ernst gemeinten, frischen Erlebnisballade.

Auf CD erhältlich

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